3 Mythen der privaten Krankenversicherung

3 Mythen der privaten Krankenversicherung. Was ist dran?

Immer wieder sieht man im Fernsehen Berichte oder liest in der einschlägigen Boulevardpresse vermeintliche Horrorszenarien von Menschen, die sich privat krankenversichert haben. Immer gern genommen sind z.B. Rentner und Familien, die vor dem finanziellen Ruin stehen. Was ist wirklich dran an solchen Berichten? Mythos oder Wahrheit? 

Wenn man sich mit dem Thema private Krankenversicherung beschäftigt, stößt man zwangsläufig auch auf Meldungen der oben genannten Art. Natürlich macht es immer Sinn, das Für und Wider abzuwägen, aber es gibt einige kritische Punkte, die sich hartnäckig halten und medial gerne und oft als Argument gegen die PKV ins Feld geführt werden. 

Für viele Interessierte sind sie deshalb ausschlaggebend für die spätere Entscheidung. Die größten Kritikpunkte sind dabei folgende:

  1. Die PKV im Rentenalter ist kaum zu bezahlen und wird Sie finanziell hoffnungslos überfordern.
  2. Die PKV führt Familien mit Kindern früher oder später in den finanziellen Ruin.
  3. Die PKV ist während einer Elternzeit bzw. Mutterschutz viel teurer als die GKV.

Doch ist diese Kritik wirklich gerechtfertigt? Liegen so viele PKV-Versicherte wirklich falsch mit ihrer Entscheidung? Dies habe ich in den drei verlinkten Blog-Artikeln einmal näher beleuchtet, Vor- und Nachteile aufgezählt, so dass Du Dir selber ein besseres Bild machen kannst.

Private Krankenversicherung für Familien nicht geeignet?

Private Krankenversicherung für Familien

Macht eine private Krankenversicherung mit Familie Sinn?

Was gilt es beim Thema private Krankenversicherung für Familien zu beachten? Die private Krankenversicherung ist nur was für Besserverdiener ohne Kinder. Mit Kindern kann man die exklusiven Leistungen nicht mehr finanzieren. Das sind gängige Aussagen. Sind deshalb ein großer Teil der privat Krankenversicherten Singles ohne Kinder? Müsste man annehmen, wenn man diesem Argument Glauben schenkt. In der heutigen Zeit, wo es kein klassisches Rollenverständnis mehr gibt und in der Regel beide Partner gleichberechtigt einer Arbeit nachgehen, greift dieses pauschale Argument schon lange nicht mehr. Zumal die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau mit 1,5 ebenfalls niedriger liegt, als noch vor ein paar Jahrzehnten. Und genau dort kommt dieses Argument her. Aus einer Zeit, in der die durchschnittliche Familie ein Einkommen und zwei Kinder hatte. 

Die familiäre Situation spielt eine große Rolle

Heutzutage kommt es nicht selten vor, dass beide Ehepartner berufstätig sind und so gut verdienen, dass beide Partner sich privat versichern oder den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen. Dieser beträgt aktuell 635,10 € pro Monat (abzgl. AG-Anteil zzgl. Zusatzbeitrag) Natürlich wären Kinder in der GKV ohne Beitrag mitversichert, aber wie sieht es bei privat Versicherten aus. Planen beide Ehepartner auch zukünftig (nach der Elternzeit) weiterhin Vollzeit arbeiten zu gehen und verdienen beide weiterhin über der Beitragsbemessungsgrenze (aktuell bei 4.350€ mtl.), so würde ein Gesamtbeitrag von 1270€ vom Arbeitgeber mit 50 % bezuschusst. Für diesen Betrag kann man schon eine Familie mit 2 Kindern absichern. Das heisst ohne Mehrbelastung in der PKV versichert zu sein, aber das Ganze natürlich bei wesentlich besseren Leistungen.  

Was gilt es bezüglich Kinder zu beachten?

Für Kinder gilt darüber hinaus in vielen Fällen in der privaten Krankenversicherung ein verminderter oder gar kein Selbstbehalt bei Inanspruchnahme von Leistungen. Zusätzlich sind gegenüber der GKV z.B. Mehrleistungen wie ein Rooming-In enthalten, das heisst, Sie dürfen Ihr Kind bis zum 14. Lebensjahr bei einem Krankenhausaufenthalt begleiten, ohne dafür Aufenthaltskosten zahlen zu müssen. Auch müssen Kinder in den ersten zwei Monaten ab Geburt ohne Einschränkungen in der PKV des versicherten Elternteils aufgenommen werden. Ein großer Vorteil, denn sollte es bei der Geburt zu Komplikationen kommen oder schwere Erkrankungen oder Behinderungen vorliegen, so hat man die beste medizinische Versorgung ohne wenn und aber sicher. Keine Wartezeit, kein Ausschluss, kein Risikozuschlag. 

Spätere Entlastung möglich 

Rechnet man als GKV-Versicherter alternativ Mehrleistungen über Krankenzusatzversicherungen ab, wird der Beitragsvorteil der PKV gegenüber der GKV auch für Familien noch deutlicher, wenn man die dafür anfallenden Beiträge noch berücksichtigt. Spätestens wenn die Kinder aus dem Haus sind und ein eigenes Einkommen beziehen (z.B. bei Beginn einer Ausbildung), werden sie in der Regel krankenversicherungspflichtig und fallen aus der PKV wieder heraus. Auch wenn sie studieren ermäßigen sich zu diesem Zeitpunkt die Beiträge, da eine PKV für Studenten günstiger ist als eine normale Absicherung für Kinder/Jugendliche. Somit kommt es auch hier wieder zu einer spürbaren Entlastung bei den Beiträgen. Natürlich gilt es aber wie beim ersten Punkt zunächst einmal die eigene Planung zu überdenken und abzuwägen, welche Faktoren einen Einfluss auf die individuelle Situation haben werden. Auch hier empfehle ich Ihnen dringend professionellen Rat in Anspruch zu nehmen und alle Eventualitäten bereits im Vorfeld zu klären. 

Das eine PKV für Familien mit Kindern generell zu teuer wäre, kann man jedenfalls nicht behaupten. 

Private Krankenversicherung im Mutterschutz zu teuer?

Welche Kosten kommen in der privaten Krankenversicherung auf werdende Eltern zu?

Insbesondere Frauen fürchten eine finanzielle Mehrbelastung durch die PKV während Schwangerschaft und Elternzeit. 

Zunächst einmal ist es so, dass PKV-Versicherte auch während der Zeit des Mutterschutzes und der Elternzeit weiter Beiträge entrichten müssen. In der Zeit, in der dabei nicht gearbeitet wird, entfällt darüber hinaus der Zuschuss des Arbeitgebers, da das Arbeitsverhältnis in dieser Zeit ruht. Die finanziellen Belastungen sind also höher als normal. 

Sind jetzt GKV-Versicherte in dieser Zeit grundsätzlich besser gestellt? Hier lohnt sich der Blick ins Detail. Als freiwillig versichertes Mitglied in der GKV gilt nämlich nicht automatisch eine Beitragsbefreiung. Nur wenn der Partner in der GKV versichert ist und Anspruch auf Familienversicherung besteht, entfallen die Beiträge auch für freiwillig Versicherte. Ist der Partner privat versichert oder hat keinen eigenen Anspruch auf eine GKV, müssen Gutverdiener in der GKV während Mutterschutz und Elternzeit ebenfalls Beiträge entrichten. 

Die Beiträge richten sich nach dem Familieneinkommen, welches addiert und anschließend durch zwei geteilt wird. Dieser Betrag wird mit dem aktuellen GKV Satz multipliziert und ergibt dann den zu zahlenden Beitrag. Somit unterscheiden sich PKV und GKV für besser verdienende Angestellte kaum. 

Selbständige zahlen ihren Beitrag ohnehin alleine und bei Beamten greift die Beihilfe auch für Kinder und Ehepartner, wobei diese für das beihilfeberechtigte Elternteil ab 2 Kindern von 50% auf 70% ansteigt und Kinder generell 80% Beihilfe erhalten.

Wenn überhaupt trifft es also vor allem höher verdienende Angestellte finanziell, was die pauschale Argumentation gegen die PKV wiederum abschwächt. Wie schon zuvor sollte erst einmal die persönliche Situation besprochen werden, um zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu kommen.

Der Ehepartner muss also mit ins Boot und es sollte vorab geklärt werden, wer wann in Elternzeit geht, wie sich das Einkommen aufteilt und ab wann ggf. wieder mit zwei vollen Einkommen zu rechnen ist. 

Auch die erheblichen Mehrleistungen in der PKV für Schwangere bezgl. Vorsorgeuntersuchungen und die Möglichkeit Kinder innerhalb von 2 Monaten ab Geburt ungeachtet des Gesundheitszustandes ohne Einschränkungen privat versichern zu können, sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden. 

Private Krankenversicherung im Alter unbezahlbar?

Führen die Beitragssteigerungen in der privaten Krankenversicherung wirklich dazu, dass diese für Rentner unbezahlbar wird?

Die private Krankenversicherung lockt in jungen Jahren mit günstigeren Beiträgen und besseren Leistungen, aber im Alter kann sich das keiner mehr leisten. So liest oder hört man es häufig. Es handelt sich hier eigentlich immer um extreme Fälle, die in Reportagen aufgegriffen und dann verallgemeinert dargestellt werden, z.B. der Rentner mit 700€ mtl. Rente, der auf einmal 500€ PKV Beitrag zahlen soll und kein Geld mehr für Miete und Lebensunterhalt hat. Aber was ist dran an den immer wieder auftauchenden Berichten über die zu teure Krankenversicherung im Alter?

Eine gute Planung ist die halbe Miete

Natürlich gibt es solche Fälle, aber ist dies der Regelfall? Natürlich wäre solch ein Rentner in einem System wie der GKV, mit einkommensabhängigen Beiträgen, im Rentenalter besser aufgehoben. Und nun kommt er in dieses System auch nicht mehr zurück. Aber es ist sicher nicht der Regelfall. Und ist es nicht vielmehr so, dass im Vorfeld dann meistens schon viele Dinge falsch gelaufen sind. Da ergeben sich schon einige Fragen. Ein Privatversicherter, der so wenig Rente bezieht, war in der Regel selbständig. Hat er nun ein so niedriges Einkommen gehabt, dass er keine Rücklagen bilden konnte oder hat er sein hohes Einkommen nur für Konsum ausgegeben?

Warum wurde ihm überhaupt geraten in die PKV zu wechseln? War er sich der Systemunterschiede überhaupt bewusst? Wenn nicht, warum hat er sich im Vorfeld nicht ausgiebig informiert oder beraten lassen? Wie Sie sehen, ist es nicht sinnvoll hier vorschnell zu urteilen, ohne den genauen Hintergrund zu kennen. Auch ist es so, dass die Beiträge in der Erwerbsphase in beiden Systemen nahezu gleichlaufend ansteigen. Für einen Angestellten ist die Beitragszahlung in der Rentenphase aufgrund des höheren Einkommens und somit der höheren Rentenzahlung, in der Regel kein Problem. Wenn darüber hinaus auch weitere private Vorsorge getroffen wurde ist das umso besser. Sie sollten sich neben der gesetzlichen Rente unbedingt weitere Einnahmequellen im Alter aufbauen. 

Sicher gibt es die oben beschriebenen Einzelfälle. Das die Beiträge nicht dem Einkommen angepasst werden, ist jedoch für die meisten privat Versicherten im Rentenalter sogar vorteilhaft. Denn diese haben sich bis zum Renteneintritt verschiedene Vermögenswerte aufgebaut, die nun keinen Einfluss auf die Beiträge der PKV haben. Dies sind z.B. Mieteinnahmen, Vermögenswerte, Zinseinnahmen, Erbschaften, eigen genutzte Immobilie, Betriebsrente usw. Diese Einnahmen haben für einen privat Versicherten keinen Einfluss auf den Krankenkassenbeitrag. Sie können unter privat Krankenversicherten viel mehr Beispiele für den zuletzt beschriebenen Fall finden, als für den zuerst geschilderten. Aber mit diesen Beispielen werden Sie in den Massenmedien natürlich keine Reichweite erzielen. 

Beitragsentlastung im Alter

Außerdem ist es so, dass privat Versicherte im Alter sogar entlastet werden. Es ist nämlich so, dass Sie von Beginn an 10% mehr Beitrag zahlen müssen als eigentlich notwendig wäre. Dies ist der gesetzliche Beitragszuschlag für Altersrückstellungen. Dieser Pflichtbeitrag wird verwendet, um die Beiträge im Alter zu stabilisieren. Er wird erhoben bis zum vollendeten 60. Lebensjahr. Dann fällt dieser Zuschlag weg, so dass die PKV entsprechend günstiger wird. Das ist aber nicht alles. In der Erwerbsphase versichern Sie in der Regel ein Krankentagegeld. Dieses sichert die Lohnfortzahlung in einem längeren Krankheitsfall und macht etwa 5-10% des monatlichen Beitrags aus. Spätestens bei Renteneintritt mit dem 65. Lebensjahr fällt auch dieser Beitragsanteil weg, so dass Sie als privat Versicherter in der Rentenphase insgesamt zwischen 15-20% an Beitrag einsparen. 

Unabhängige Beratung verhindert späteren Ärger

Daneben gibt es noch einige weitere Möglichkeiten, die man nutzen kann, wenn es finanziell wirklich einmal nicht reichen sollte. Diese sind z.B. Standard- bzw. Basistarif als letzte Lösung mit entsprechenden staatlichen Zuschüssen bei Nachweis der Bedürftigkeit oder aber ein Tarifwechsel innerhalb der Gesellschaft. Den muss die Gesellschaft anbieten, wenn er wirtschaftlich sinnvoll ist. Wichtig ist in jedem Fall sich vorab ausgiebig zu informieren. Hier kann ich Ihnen nur empfehlen, sich einen Experten dazu zu holen, der mit Ihnen die wichtigsten Punkte bespricht und anhand einer Checkliste prüft, ob ein Wechsel Sinn macht und welche Punkte Sie beachten sollten.